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Ätherische Öle in Kosmetik: INCI-Namen und Allergene verstehen

Lavendel, Teebaum, Orangenschale, Pfefferminze: Ätherische Öle stehen mit lateinischen Pflanzennamen in der INCI-Liste, oft gefolgt von Allergen-Namen. Wie die Benennung funktioniert und was sie verrät – und was nicht.

Aktualisiert: 31. Oktober 2026 · Geprüft von: Kamil Pyziak

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Was ein ätherisches Öl ist

Ein ätherisches Öl ist ein konzentriertes, flüchtiges Gemisch aus einer Pflanze, meist durch Wasserdampfdestillation gewonnen, bei Zitrusschalen durch Kaltpressung. Trotz des Namens ist es kein fettes Öl wie Sonnenblumen- oder Jojobaöl: Es verdunstet, riecht intensiv und besteht aus Dutzenden bis Hunderten Einzelstoffen.

In Kosmetik dienen ätherische Öle vor allem als Duft, teils auch mit weiteren CosIng-Funktionen wie „masking“, „tonic“ oder „skin conditioning“. Ein Produkt, das „ohne Parfum“ verspricht, aber ätherische Öle enthält, ist nicht duftfrei – die Öle sind selbst eine Duftquelle.

So werden ätherische Öle in INCI benannt

INCI-Namen pflanzlicher Rohstoffe folgen einem Schema: lateinische Gattung und Art, Pflanzenteil und Art des Rohstoffs. Lavandula Angustifolia Oil ist Lavendelöl, Melaleuca Alternifolia Leaf Oil Teebaumöl, Citrus Aurantium Dulcis Peel Oil Süßorangenschalenöl, Mentha Piperita Oil Pfefferminzöl, Rosmarinus Officinalis Leaf Oil Rosmarinöl und Eucalyptus Globulus Leaf Oil Eukalyptusöl.

Verwechseln Sie ätherische Öle nicht mit fetten Pflanzenölen und Extrakten. Simmondsia Chinensis Seed Oil (Jojoba) und Helianthus Annuus Seed Oil (Sonnenblume) sind fette Öle mit wenig Eigengeruch. Namen auf „Extract“ oder „Water“ bezeichnen andere Zubereitungen derselben Pflanze, die duften können, aber nicht müssen. Das Herstellungsverfahren lässt sich am INCI-Namen nicht immer ablesen.

Warum nach den Ölen Allergene stehen

Viele ätherische Öle enthalten von Natur aus Stoffe, die im EU-Recht als Duftstoff-Allergene gelten. Lavendelöl enthält Linalool und Linalylacetat, Orangen- und Zitronenschalenöl viel Limonen, Nelkenöl Eugenol, Rosen- und Geranienöl Geraniol und Citronellol. Überschreiten diese Stoffe die Kennzeichnungsschwellen – 0,001 % in Leave-on- und 0,01 % in Rinse-off-Produkten –, müssen sie unabhängig von ihrer Herkunft genannt werden.

Deshalb liest man etwa „… Lavandula Angustifolia Oil, Linalool, Limonene, Geraniol“. Die Allergene wurden nicht separat zugesetzt, sondern werden angegeben, weil sie Bestandteil des Öls sind. Mit der Verordnung (EU) 2023/1545 wurde die Liste kennzeichnungspflichtiger Duftstoff-Allergene deutlich erweitert; auf neueren Etiketten können daher mehr solcher Namen stehen.

Oxidation und Frische

Manche Duftstoffe in ätherischen Ölen, vor allem Limonen und Linalool, reagieren mit der Zeit mit Luftsauerstoff. Ihre Oxidationsprodukte lösen bekanntermaßen eher Kontaktallergien aus als die frischen Stoffe. Hersteller setzen daher häufig Antioxidantien wie Tocopherol ein und wählen Verpackungen, die den Luftkontakt begrenzen.

Für Verbraucher heißt das: Alter und Lagerung eines Produkts spielen eine Rolle. Das Symbol des geöffneten Tiegels mit einer Monatsangabe zeigt, wie lange ein Produkt nach dem Öffnen verwendet werden soll. Es ist sinnvoll, Produkte geschlossen und vor Wärme und Licht geschützt aufzubewahren.

Zitrusöle und Licht

Einige kaltgepresste Zitrusöle, insbesondere Bergamotteöl, können Furocumarine enthalten – Stoffe, die die Haut lichtempfindlicher machen können. Das EU-Recht beschränkt Furocumarine in Kosmetik, und Duftstofflieferanten bieten furocumarinfreie Qualitäten an. Der INCI-Name, etwa Citrus Aurantium Bergamia Peel Oil, zeigt nicht, welche Qualität verwendet wurde.

Enthält ein Etikett einen Hinweis zur Sonneneinstrahlung, halten Sie sich daran. Verlässliche Auskunft zu einem bestimmten Produkt kann der Hersteller geben; die Inhaltsstoffliste allein beantwortet diese Frage nicht.

Was das Etikett nicht verrät

Die INCI-Liste zeigt, dass ein ätherisches Öl enthalten ist, nicht aber seine Menge, sein chemisches Profil (das je nach Sorte, Herkunft und Ernte schwankt) oder seine Verarbeitung. Allergene werden nur oberhalb der Schwellen genannt. „Natürlich“, „rein“ oder „bio“ auf der Packung sagt nichts darüber, wie Ihre Haut das Öl verträgt.

Wenn Sie wissen, dass Sie auf einen bestimmten Duftstoff reagieren, suchen Sie nach seinem Namen und nach Ölen, die ihn enthalten. Individuelle Auslöser lassen sich dermatologisch per Epikutantest bestimmen; bei anhaltender Reizung fragen Sie in der Apotheke oder ärztlich nach.

Quellen