Ratgeber Inhaltsstoffe

Alkohol in Kosmetik: Alcohol Denat. oder Fettalkohole wie Cetyl- und Cetearylalkohol?

„Alcohol“ in der INCI-Liste kann ein schnell verdunstendes Lösungsmittel oder einen wachsartigen, pflegenden Stoff bedeuten. So unterscheiden Sie Alcohol Denat. von Cetearyl Alcohol, so wirken beide – und deshalb lohnt bei „alkoholfrei“ ein zweiter Blick.

Aktualisiert: 31. Oktober 2026 · Geprüft von: Kamil Pyziak

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Ein Wort, sehr verschiedene Stoffe

In der Chemie bezeichnet „Alkohol“ eine ganze Stoffklasse. Auf einem Kosmetiketikett kann das Wort daher in sehr unterschiedlichen Inhaltsstoffen stecken: in einer flüchtigen Flüssigkeit, die in Sekunden verdunstet, in einem wachsartigen Feststoff, der eine Creme andickt, oder in einem Konservierungsmittel. Wer jeden „Alkohol“ gleich behandelt, zieht falsche Schlüsse.

Am einfachsten sortiert man sie nach INCI-Namen und Position in der Liste. Die folgenden Gruppen decken die häufigsten Namen ab.

Ethanol: Alcohol und Alcohol Denat.

Steht Alcohol in der INCI-Liste, ist Ethanol gemeint. Alcohol Denat. ist vergällter Ethanol: Ihm wurden kleine Mengen anderer Stoffe zugesetzt (etwa das sehr bittere Denatonium Benzoate), damit er nicht trinkbar ist. Die Vergällung hat rechtliche und steuerliche Gründe und ändert nichts daran, wie sich der Ethanol im Produkt verhält.

Ethanol ist ein Lösungsmittel und verdunstet schnell. Er sorgt für ein leichtes, rasch trocknendes Hautgefühl, hilft, andere Stoffe wie Duftstoffe oder manche UV-Filter zu lösen, und wirkt antimikrobiell. Er ist Hauptbestandteil der meisten Parfums und häufig in Gesichtswässern, Sprays, Gelen, Trockenshampoos und einigen Sonnenschutzmitteln enthalten.

Trocknet Alkohol die Haut aus?

Große Mengen Ethanol, häufig angewendet, können zu Trockenheit und Reizungen beitragen, besonders bei ohnehin trockener oder leicht reizbarer Haut. Viele Menschen mit empfindlicher Haut achten daher darauf, ob Alcohol Denat. ganz vorne in der Liste eines Gesichtsprodukts steht, das auf der Haut verbleibt.

Die Wirkung hängt von der Konzentration und der übrigen Rezeptur ab. Ein Produkt mit viel Ethanol, das zugleich reich an Feuchthaltemitteln und Emollients ist, verhält sich anders als ein einfaches alkoholisches Gesichtswasser. In kleinen Mengen – als Lösungsmittel für einen Extrakt oder einen Duft – ist Ethanol oft nur Träger. Die Position in der Liste gibt eine grobe Orientierung, keine genaue Antwort.

Fettalkohole: Cetyl, Stearyl, Cetearyl und Behenyl Alcohol

Fettalkohole sind langkettige Alkohole, meist aus Pflanzenölen wie Kokos- oder Palmöl gewonnen oder synthetisch hergestellt. Bei Raumtemperatur sind sie wachsartige Feststoffe. Typische INCI-Namen sind Cetyl Alcohol, Stearyl Alcohol, Cetearyl Alcohol (eine Mischung aus beiden), Behenyl Alcohol und Myristyl Alcohol.

Sie verdunsten nicht und trocknen die Haut nicht aus wie Ethanol. In Cremes, Lotionen und Spülungen wirken sie als Emollients, Verdickungsmittel und Emulsionsstabilisatoren und sorgen für eine reichhaltigere, cremige Textur. Kontaktallergien gegen Fettalkohole sind möglich, aber selten; wie bei jedem Stoff kann es individuelle Reaktionen geben.

Weitere „Alkohole“ in der Liste

Isopropyl Alcohol ist ein weiteres flüchtiges Lösungsmittel, etwa in manchen Nagel- und Haarprodukten. Benzyl Alcohol dient als Konservierungs- und Lösungsmittel; er ist zugleich ein Duftstoff und gehört zu den Duftstoff-Allergenen, die nach EU-Recht oberhalb der Kennzeichnungsschwellen genannt werden müssen. Phenoxyethanol, ein verbreiteter Konservierungsstoff, trägt „ethanol“ im Namen, gehört aber zu einer anderen Gruppe.

Manche Stoffe tragen das Wort, verhalten sich aber gar nicht wie Ethanol: Lanolin Alcohol ist ein wachsartiges Gemisch aus Wollwachs, Glykole wie Propylene Glycol oder Butylene Glycol sind Feuchthaltemittel und Lösungsmittel. Die CosIng-Funktionen jedes Namens finden Sie auf INCIMondo.

Was das Etikett nicht verrät

„Alkoholfrei“ ist im EU-Kosmetikrecht nicht definiert. Meist heißt es, dass kein Ethanol zugesetzt wurde – das Produkt kann aber Fettalkohole, Benzyl Alcohol oder über einen Rohstoff eingebrachten Ethanol enthalten. Die INCI-Liste ist aussagekräftiger als die Aussage auf der Vorderseite.

Die Liste zeigt auch nicht, wie viel Ethanol ein Produkt enthält oder wie Ihre Haut darauf reagiert. Brennt ein Produkt oder verursacht es anhaltende Rötungen, setzen Sie es ab und sprechen Sie bei anhaltenden Beschwerden mit der Apotheke oder einer Ärztin bzw. einem Arzt.

Quellen