Ratgeber Inhaltsstoffe

Antioxidantien in Kosmetik: Tocopherol, Ferulasäure, Resveratrol, grüner Tee – und die, die die Formel schützen

Manche Antioxidantien sind für die Haut da, andere vor allem, damit die Creme nicht ranzig wird – und einige können beides. So erkennen Sie Tocopherol, Ferulic Acid, Resveratrol, Grüntee-Extrakt, BHT oder Rosmarinextrakt in der INCI-Liste und was ihre Position verrät.

Aktualisiert: 31. Oktober 2026 · Geprüft von: Kamil Pyziak

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Ein Wort, zwei Aufgaben

Oxidation ist eine chemische Reaktion mit Sauerstoff, oft angetrieben durch Licht, Wärme oder Spuren von Metallen. Im Tiegel lässt sie Öle ranzig werden, verändert Farbe und Geruch eines Produkts und kann empfindliche Inhaltsstoffe abbauen. Auf der Haut erzeugen UV-Strahlung und Luftverschmutzung reaktive Moleküle, oft freie Radikale genannt. Antioxidantien sind Stoffe, die mit diesen reagieren oder die von ihnen ausgelösten Kettenreaktionen unterbrechen.

In Kosmetik haben Antioxidantien deshalb zwei Rollen. Manche werden vor allem zum Schutz der Formel zugesetzt, in kleinen Mengen. Andere werden als Pflegestoffe beworben, mit Aussagen zum Schutz der Haut vor Umweltstress. Dasselbe Molekül kann beides leisten; der Unterschied liegt meist in der Menge und in der Vermarktung. In CosIng bezieht sich die Funktion „antioxidant“ auf den Schutz des Produkts selbst.

Vitamin E: Tocopherol und Tocopheryl Acetate

Vitamin E erscheint in INCI-Listen vor allem als Tocopherol (die freie Form, oft ein Gemisch von Tocopherolen aus Pflanzenölen) oder als Tocopheryl Acetate (ein Ester). Tocopherol ist eines der häufigsten Antioxidantien zum Formelschutz: Eine kleine Menge in einem Pflanzenöl oder Balsam verlangsamt das Ranzigwerden. Deshalb steckt es auch in Produkten, die gar nicht mit Vitamin E werben.

Tocopheryl Acetate ist im Produkt stabiler und daher beliebt in Cremes und Lotionen „mit Vitamin E“. Wie viel davon in der Haut zu freiem Tocopherol umgewandelt wird, wird diskutiert. Beide Formen sind fettlöslich und werden oft mit anderen Antioxidantien kombiniert.

Ferulasäure und die Verbindung zu Vitamin C

Ferulic Acid (Ferulasäure) ist eine pflanzliche phenolische Verbindung, die etwa in den Zellwänden von Getreide vorkommt, zum Beispiel in Reis- und Weizenkleie. Bekannt wurde sie in der Hautpflege durch Seren mit Vitamin C (Ascorbic Acid), Vitamin E (Tocopherol) und Ferulasäure; Laborstudien solcher Kombinationen berichteten, dass Ferulasäure die Vitamine stabilisiert und zu ihrer Wirkung beiträgt.

Wie Vitamin C funktioniert Ferulasäure am besten in sorgfältig formulierten Produkten, oft mit niedrigem pH-Wert und in Verpackungen, die Licht und Luft fernhalten. Eine Farbveränderung – etwa ein Serum, das von hellgelb zu orange oder braun wechselt – ist ein Zeichen von Oxidation. Ob ein Produkt mit diesen drei Stoffen den untersuchten Kombinationen entspricht, hängt von Konzentrationen ab, die das Etikett nicht nennt.

Resveratrol, grüner Tee und andere Pflanzenpolyphenole

Resveratrol ist ein Polyphenol, bekannt aus Weintrauben und Rotwein. Kosmetisches Resveratrol wird oft aus Japanischem Staudenknöterich (Polygonum Cuspidatum Root Extract) gewonnen oder synthetisch hergestellt. Es ist schlecht wasserlöslich und lichtempfindlich, was die Formulierung anspruchsvoll macht. Camellia Sinensis Leaf Extract (grüner oder weißer Tee) enthält Catechine wie EGCG, Vitis Vinifera Seed Extract (Traubenkern) enthält Proanthocyanidine.

Farbige Antioxidantien erkennt man schon im Tiegel: Astaxanthin, ein Carotinoid, das oft aus der Mikroalge Haematococcus pluvialis gewonnen wird, ist tiefrot, Ubiquinone (Coenzym Q10) gelb-orange. Bei Pflanzenextrakten sagt der INCI-Name nicht, wie konzentriert der Extrakt ist oder wie viele aktive Polyphenole er enthält.

Antioxidantien, die die Formel schützen

Viele INCI-Listen enthalten kleine Mengen von Antioxidantien, die kaum auffallen: BHT (Butylhydroxytoluol), Ascorbyl Palmitate (eine fettlösliche Form von Vitamin C), Tocopherol und Rosmarinus Officinalis Leaf Extract (Rosmarinextrakt), der in Naturkosmetik beliebt ist. Haarfarben enthalten oft Sodium Sulfite zum Schutz der Farbmoleküle.

Komplexbildner unterstützen sie indirekt. Disodium EDTA, Tetrasodium Glutamate Diacetate oder Sodium Phytate binden Spuren von Metallionen aus Wasser oder Rohstoffen, die sonst die Oxidation beschleunigen würden. Diese Stoffe stehen meist am Ende der Liste – ein normaler Platz für schützende Helfer.

Antioxidantien und Sonnenschutz

Antioxidantien absorbieren oder reflektieren UV-Strahlung nicht so wie UV-Filter und liefern daher keinen Lichtschutzfaktor. Eine Tagescreme mit grünem Tee oder Vitamin E ist kein Sonnenschutz, solange sie keine UV-Filter enthält und keinen LSF angibt.

Manche Sonnenschutzmittel und Tagescremes kombinieren UV-Filter mit Antioxidantien. Dort sind die Antioxidantien eine Ergänzung, kein Ersatz; das Schutzniveau bestimmen der LSF und das UVA-Logo bzw. der UVA-Hinweis auf der Packung.

Was das Etikett nicht verrät

Die INCI-Liste zeigt nicht, wie viel Antioxidans ein Produkt enthält, ob es zum Schutz der Formel oder für die Haut zugesetzt wurde oder wie viel davon nach Monaten im Regal und Wochen nach dem Öffnen noch aktiv ist. Die Verpackung zählt: Undurchsichtige Airless- oder Pumpspender schützen empfindliche Antioxidantien besser als offene Tiegel.

Aussagen wie „Anti-Pollution“, „schützt vor freien Radikalen“ oder „Anti-Aging“ sind Formulierungen der Marke. Bei konkreten Sorgen wegen Sonnenschäden oder Hautveränderungen ist eine Hautärztin oder ein Hautarzt die richtige Ansprechperson.

Quellen