Emulgatoren in Kosmetik: was Cetearyl Alcohol, Glyceryl Stearate, Polysorbate und PEG leisten
Cremes und Lotionen sind Mischungen aus Öl und Wasser, die sich ohne Hilfe trennen würden. Wie Emulgatoren funktionieren, wie man die häufigsten in der INCI-Liste erkennt und was die Zahlen in Namen wie PEG-100 Stearate oder Polysorbate 20 bedeuten.
Aktualisiert: 31. Oktober 2026 · Geprüft von: Kamil Pyziak
Warum Cremes Emulgatoren brauchen
Öl und Wasser mischen sich nicht – geschüttelt trennen sie sich nach wenigen Minuten wieder. Trotzdem enthalten die meisten Cremes, Lotionen und viele Reinigungsprodukte beides: Wasser für Leichtigkeit und wasserlösliche Wirkstoffe, Öle für Geschmeidigkeit und fettlösliche Stoffe. Ein Emulgator ist ein Molekül mit einem wasserliebenden (hydrophilen) und einem ölliebenden (lipophilen) Teil. Er setzt sich an die Grenze zwischen winzigen Tröpfchen und der umgebenden Flüssigkeit und hält die Mischung stabil.
Es gibt zwei Grundtypen. In einer Öl-in-Wasser-Emulsion sind Öltröpfchen in Wasser verteilt; so sind die meisten Lotionen und leichten Cremes aufgebaut, sie fühlen sich frisch an. In einer Wasser-in-Öl-Emulsion sind Wassertröpfchen in Öl verteilt; solche Produkte wirken reichhaltiger und werden etwa für manche Schutzcremes, Cold Creams und wasserfeste Produkte verwendet. Welcher Typ entsteht, entscheidet vor allem die Wahl des Emulgators.
Cetearyl Alcohol und Glyceryl Stearate: das Gerüst vieler Cremes
Cetearyl Alcohol ist ein Gemisch zweier Fettalkohole, Cetyl- und Stearylalkohol. Trotz des Wortes „Alcohol“ ist es ein wachsartiger Feststoff und kein austrocknendes Lösungsmittel. Allein ist es nur ein schwacher Emulgator; vor allem verdickt und stabilisiert es Emulsionen und gibt Cremes ihr weiches, polsterndes Gefühl. Oft wird es mit einem stärkeren Emulgator kombiniert, etwa als Cetearyl Alcohol mit Ceteareth-20 oder mit Cetearyl Glucoside.
Glyceryl Stearate ist ein Ester aus Glycerin und Stearinsäure – ein milder, eher öllastiger Emulgator und Emollient, der auch die Textur verbessert. Glyceryl Stearate SE („selbstemulgierend“) enthält eine kleine Menge Seife, etwa Natrium- oder Kaliumstearat, und funktioniert dadurch allein als Emulgator. Ein klassisches Paar ist Glyceryl Stearate mit PEG-100 Stearate.
Polysorbate und PEG: was die Zahlen bedeuten
Viele Emulgatoren entstehen durch Ethoxylierung: An ein Fettmolekül werden Ketten aus Ethylenoxid-Einheiten angehängt, um es wasserfreundlicher zu machen. In Namen wie PEG-100 Stearate oder Ceteareth-20 gibt die Zahl die durchschnittliche Anzahl der Ethylenoxid-Einheiten an: Je höher, desto wasserlöslicher. PEG-40 Hydrogenated Castor Oil etwa ist ein typischer Lösungsvermittler, der Parfüm oder ätherische Öle in wässrigen Gesichtswassern löst.
Polysorbate sind ethoxylierte Sorbitanester, und hier funktioniert die Zahl anders: Polysorbate 20, 60 und 80 haben eine ähnliche Ethylenoxid-Kette, die Zahl steht für die Fettsäure – Laurinsäure bei 20, Stearinsäure bei 60, Ölsäure bei 80. Polysorbate 20 findet sich oft als Lösungsvermittler in Gesichtswassern, Mizellenwasser und Seren, Polysorbate 60 und 80 in Cremes und Lotionen.
PEG und 1,4-Dioxan: worum es in der Debatte geht
Bedenken gegenüber PEG und anderen ethoxylierten Stoffen betreffen meist 1,4-Dioxan, ein mögliches Nebenprodukt der Ethoxylierung. In der EU ist 1,4-Dioxan selbst in Kosmetik verboten, die Verordnung erlaubt aber technisch unvermeidbare Spuren verbotener Stoffe, sofern das Produkt sicher bleibt. Rohstofflieferanten senken solche Verunreinigungen durch Reinigungsschritte, und ihre Gehalte sind Teil der Qualitätskontrolle, auf die sich die Sicherheitsbewertung stützt.
Viele Natur- und Biokosmetik-Standards lassen ethoxylierte Inhaltsstoffe nicht zu; Produkte mit solchen Siegeln verwenden daher andere Emulgatoren. Das ist eine Entscheidung nach Verarbeitungs- und Zertifizierungsregeln, kein Beweis, dass ein PEG-haltiges Produkt unsicher ist.
Alternativen in „natürlichen“ Rezepturen
Ohne Ethoxylierung greifen Formulierer zu Emulgatoren auf Basis von Zucker, Olivenöl, Zitronensäure oder Lecithin. Typische Beispiele sind Cetearyl Glucoside (oft mit Cetearyl Alcohol), Cetearyl Olivate mit Sorbitan Olivate, Glyceryl Stearate Citrate, Sucrose Stearate und Lecithin. Für Wasser-in-Öl-Emulsionen sind Polyglyceryl-3 Diisostearate und andere Polyglycerinester verbreitet, in Sonnenschutzmitteln häufig Potassium Cetyl Phosphate.
Manche Stoffe stabilisieren Emulsionen, ohne im engeren Sinn Emulgatoren zu sein. Verdickungsmittel wie Carbomer oder Xanthan Gum erhöhen die Viskosität der Wasserphase, sodass Tröpfchen sich schwerer bewegen und zusammenfließen. Deshalb kombinieren viele Cremes Emulgator, Fettalkohol und Verdicker.
Was das Etikett nicht verrät
Die INCI-Liste zeigt nicht, welche Stoffe eine fertige Emulgatormischung bilden, wie viel jeweils enthalten ist und ob die Creme eine Öl-in-Wasser- oder Wasser-in-Öl-Emulsion ist. Emulgatoren sind meist zu wenigen Prozent enthalten und stehen in der Mitte der Liste; ihre Position sagt wenig darüber aus, wie mild oder wirksam ein Produkt ist.
Emulgatoren sind Tenside, und manche Menschen mit sehr empfindlicher Haut reagieren auf bestimmte davon. Bei Verdacht auf eine Reaktion die vollständigen Listen der betroffenen Produkte vergleichen und hautärztlich abklären lassen – ein Epikutantest kann den tatsächlichen Auslöser zeigen.

