Ratgeber Inhaltsstoffe

Feuchthaltemittel, Emollients und Okklusiva: So wirken Feuchtigkeitscremes

Die meisten Feuchtigkeitscremes kombinieren drei Gruppen von Inhaltsstoffen mit unterschiedlichen Aufgaben. So erkennen Sie sie in der INCI-Liste – und was sie leisten können und was nicht.

Aktualisiert: 31. Oktober 2026 · Geprüft von: Kamil Pyziak

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Drei Aufgaben in einer Creme

Eine Feuchtigkeitscreme basiert selten auf einem einzigen „feuchtigkeitsspendenden“ Inhaltsstoff. Meist kombinieren Formulierer drei Gruppen: Feuchthaltemittel (Humectants), die Wasser anziehen und binden, Emollients, die die Hautoberfläche weich und glatt machen, und Okklusiva, die einen Film bilden und den Wasserverlust der Haut verlangsamen.

Das Verhältnis dieser Gruppen bestimmt weitgehend, wie sich ein Produkt anfühlt: Ein leichtes Gel enthält oft viele Feuchthaltemittel, ein dicker Balsam setzt stärker auf Emollients und Okklusiva. Wer die Liste mit diesen drei Rollen im Kopf liest, erfährt mehr als aus jedem Werbeversprechen auf der Vorderseite.

Feuchthaltemittel: Inhaltsstoffe, die Wasser binden

Feuchthaltemittel sind kleine oder wasserliebende Moleküle, die Wasser anziehen. Typische INCI-Namen sind Glycerin, Propanediol, Butylene Glycol, Sodium PCA, Urea, Betaine, Panthenol, Sorbitol und Sodium Hyaluronate (ein Salz der Hyaluronsäure).

Glycerin ist das häufigste und eines der am besten untersuchten. Hyaluronsäure und ihre Salze binden ebenfalls Wasser, werden aber meist in geringer Menge eingesetzt. Urea (Harnstoff) hat eine Doppelrolle: In niedriger Konzentration wirkt er als Feuchthaltemittel, in höherer macht er zusätzlich raue, verdickte Haut weicher. Welche Konzentration ein Produkt enthält, verrät das Etikett nicht.

Emollients: Geschmeidigkeit und Gleitfähigkeit

Emollients füllen die kleinen Lücken zwischen Hautschüppchen und lassen die Oberfläche glatter wirken. Dazu gehören Pflanzenöle und -butter (Simmondsia Chinensis Seed Oil, Butyrospermum Parkii Butter), Ester (Caprylic/Capric Triglyceride, Isopropyl Myristate, Coco-Caprylate/Caprate), Squalane sowie Fettalkohole wie Cetearyl Alcohol.

Ester mit langen, verzweigten Ketten fühlen sich meist leicht an und ziehen schnell ein; Butter und schwerere Öle wirken reichhaltiger. Ob ein bestimmter Emollient zu fettiger oder unreiner Haut passt, hängt von der gesamten Formel und vom Menschen ab – die INCI-Liste kann das nicht zuverlässig vorhersagen.

Okklusiva: ein Film gegen Wasserverlust

Okklusiva bilden eine dünne Schicht auf der Haut und verringern den transepidermalen Wasserverlust. Klassiker sind Petrolatum, Paraffinum Liquidum (Mineralöl), Cera Microcristallina, Lanolin, Bienenwachs (Cera Alba) und Silikone wie Dimethicone.

Mineralöle und Vaseline in kosmetischer Qualität sind hoch raffiniert; ihre Sicherheit in Kosmetika wird nach EU-Recht bewertet. Silikone wie Dimethicone bilden einen atmungsaktiven Film statt einer luftdichten Versiegelung. Manche Menschen bevorzugen aus persönlichen Gründen Produkte ohne diese Stoffe – das ist eine Frage der Vorliebe, nicht der Sicherheit.

Inhaltsstoffe mit mehreren Aufgaben

Viele Inhaltsstoffe liegen zwischen den Gruppen. Sheabutter ist Emollient und leicht okklusiv. Dimethicone ist Emollient und Okklusivum. Panthenol ist Feuchthaltemittel und Pflegestoff. Ceramide (Ceramide NP, Ceramide AP), Cholesterin und Fettsäuren werden oft kombiniert, um den Lipiden der Hautbarriere zu ähneln.

Deshalb sind die in CosIng angegebenen Funktionen – etwa „Humectant“, „Skin Conditioning“ oder „Emollient“ – eine nützliche Orientierung, aber keine strenge Einteilung.

So lesen Sie die INCI-Liste einer Feuchtigkeitscreme

Achten Sie auf die ersten fünf bis zehn Inhaltsstoffe: Dort steckt der Großteil der Formel. Wasser (Aqua) steht meist an erster Stelle, gefolgt von Feuchthaltemitteln und Emollients. Okklusiva wie Petrolatum weit oben sprechen für ein reichhaltiges, schützendes Produkt; Feuchthaltemittel weit oben und wenige Öle eher für eine leichte, gelartige Textur.

Inhaltsstoffe mit 1 % oder weniger dürfen nach denen über 1 % in beliebiger Reihenfolge stehen. Ein „Star-Wirkstoff“ am Ende der Liste kann also in sehr kleiner Menge enthalten sein – oder auch nicht. Die Liste allein verrät es nicht.

Was das Etikett nicht verrät

Eine INCI-Liste zeigt, welche Inhaltsstoffe enthalten sind, nicht aber wie viel davon, wie sie kombiniert wurden oder wie das Produkt getestet wurde. Zwei Cremes mit ähnlicher Liste können sich sehr unterschiedlich anfühlen und wirken.

Ist Ihre Haut über längere Zeit sehr trocken, rissig oder gereizt, lohnt sich ein Gespräch mit der Apotheke oder einer Ärztin bzw. einem Arzt. Eine Feuchtigkeitscreme unterstützt die Haut, ist aber keine Behandlung.

Quellen