Haarfarbe: Inhaltsstoffe erklärt – PPD, Toluene-2,5-Diamine, Resorcin und die Warnhinweise
Eine permanente Haarfarbe ist ein kleiner Chemiebaukasten: Farbvorstufen, Kuppler, ein Alkalisierungsmittel und Wasserstoffperoxid. Was p-Phenylenediamine, Toluene-2,5-Diamine und Resorcinol auf der Packung bedeuten – und warum die Warnhinweise so ausführlich sind.
Aktualisiert: 31. Oktober 2026 · Geprüft von: Kamil Pyziak
So funktioniert permanente Haarfarbe
Die meisten Packungsfarben und Salonfarben, die dauerhafte Farbe und Grauabdeckung versprechen, sind Oxidationshaarfarben. In der Tube steckt kein fertiger Farbstoff, sondern kleine, fast farblose Moleküle, die erst mit einem Oxidationsmittel farbig werden. Deshalb mischt man kurz vor der Anwendung zwei Komponenten: Farbcreme oder -gel und Entwickler.
Ein Alkalisierungsmittel lässt das Haar aufquellen, sodass die kleinen Moleküle eindringen können. Der Entwickler, meist Wasserstoffperoxid, startet eine Reaktion, in der sie sich zu größeren, farbigen Molekülen verbinden. Im Haarinneren gebildet, sind diese zu groß, um leicht ausgewaschen zu werden. Dasselbe Peroxid hellt außerdem das natürliche Pigment etwas auf – so kann eine Farbe heller ausfallen als die Ausgangsfarbe.
Farbvorstufen: PPD und Toluene-2,5-Diamine
Die Moleküle, mit denen die Reaktion beginnt, heißen Farbvorstufen oder Entwicklersubstanzen. Die bekannteste ist p-Phenylenediamine, kurz PPD, vor allem in dunklen und natürlichen Nuancen. Ihr enger Verwandter Toluene-2,5-Diamine (auch als Toluene-2,5-Diamine Sulfate) ist in Produkten auf dem europäischen Markt sehr verbreitet. Zu dieser Gruppe gehören außerdem etwa p-Aminophenol, Hydroxyethyl-p-Phenylenediamine Sulfate und 2-Methoxymethyl-p-Phenylenediamine.
Diese Stoffe sind bekannte Kontaktallergene: Bei manchen Menschen kann wiederholter Kontakt zu einer Kontaktallergie führen. Wer auf einen davon allergisch ist, kann auch auf chemisch verwandte Stoffe reagieren. Das ist der Hauptgrund, warum Oxidationshaarfarben zu den am strengsten regulierten Kosmetika gehören und lange Warnhinweise tragen.
Kuppler: Resorcin und Co.
Mit Farbvorstufen allein wäre die Farbpalette begrenzt. Kuppler reagieren mit ihnen und bestimmen die genaue Nuance. Typische INCI-Namen sind Resorcinol, 2-Methylresorcinol, m-Aminophenol, 4-Amino-2-Hydroxytoluene, 2,4-Diaminophenoxyethanol HCl und 1-Naphthol. Eine Nuance kombiniert meist mehrere Vorstufen und Kuppler, deshalb können zwei Farben derselben Marke sehr unterschiedliche Listen haben.
Resorcin ist einer der häufigsten Kuppler; Produkte, die es enthalten, tragen dazu einen eigenen Hinweis auf dem Etikett. In der EU sind Haarfärbestoffe nur erlaubt, wenn sie in den Anhängen der Kosmetikverordnung aufgeführt sind, mit Höchstkonzentrationen, die sich auf die gemischte, auf das Haar aufgetragene Zubereitung beziehen.
Entwickler, Ammoniak und „ammoniakfrei“
Der Entwickler ist eine stabilisierte Lösung oder Creme mit Hydrogen Peroxide. Seine Stärke wird in Prozent oder in „Volumen“ angegeben: 3 % entsprechen etwa 10 Vol., 6 % 20 Vol., 9 % 30 Vol. und 12 % 40 Vol. Höhere Stärken hellen stärker auf. Packungsfarben enthalten einen passenden Entwickler, im Salon wählt die Friseurin oder der Friseur.
Als Alkalisierungsmittel dient traditionell Ammonia mit seinem stechenden Geruch. „Ammoniakfreie“ Farben enthalten meist stattdessen Ethanolamine (Monoethanolamin). Das verändert Geruch und Wirkweise, doch auch eine ammoniakfreie Dauerfarbe arbeitet mit denselben Arten von Vorstufen und Kupplern. Dazu kommen Helfer wie Sodium Sulfite oder Ascorbic Acid, die die Farbmoleküle in der Tube vor Oxidation schützen, sowie Komplexbildner wie Disodium EDTA.
Tönungen, direktziehende Farbstoffe und Henna
Direktziehende Farbstoffe sind bereits farbig. Sie lagern sich vor allem an und knapp unter der Haaroberfläche an und waschen sich nach einigen Haarwäschen aus. Ihre INCI-Namen sehen anders aus: HC Blue No. 2, HC Yellow No. 2, Basic Red 51, Basic Blue 99 und ähnliche. Achtung: „Intensivtönungen“ oder „Ton-in-Ton“-Produkte können trotzdem Oxidationsfarben mit milderem Entwickler sein – entscheidend ist die INCI-Liste, nicht der Name auf der Vorderseite.
Henna stammt aus den Blättern von Lawsonia inermis und färbt orange-rot. In Produkten, die als „schwarzes Henna“ für temporäre Hauttattoos angeboten werden, oft außerhalb der EU, wurde PPD gefunden. Deshalb erwähnen die EU-Warnhinweise auf Haarfarben schwarze Henna-Tattoos.
Die Warnhinweise auf der Packung
In der EU müssen Haarfarben mit diesen Stoffen Pflichtwarnhinweise tragen. Sie besagen unter anderem, dass Haarfärbemittel schwere allergische Reaktionen hervorrufen können, dass die Gebrauchsanweisung zu lesen und zu befolgen ist, dass das Produkt nicht für Personen unter 16 Jahren bestimmt ist und dass temporäre Tätowierungen mit schwarzem Henna das Allergierisiko erhöhen können. Außerdem nennen sie Situationen, in denen man nicht färben sollte, etwa nach einer früheren Reaktion auf eine Haarfarbe oder ein schwarzes Henna-Tattoo oder bei gereizter oder verletzter Kopfhaut. Das Etikett nennt zudem die enthaltenen Farbstoffe und fordert zum Tragen geeigneter Handschuhe auf.
Viele Hersteller schreiben einen Allergietest vor, meist 48 Stunden vor jeder Färbung, auch bei einem bekannten Produkt. Halten Sie sich genau an die Packungsbeilage des jeweiligen Produkts. Bei Fragen zum eigenen Risiko oder wenn Sie während oder nach dem Färben eine Reaktion bemerken, wenden Sie sich an eine Ärztin, einen Arzt oder die Apotheke.
Was das Etikett nicht verrät
Die INCI-Liste zeigt, welche Vorstufen und Kuppler in einer Nuance stecken, aber nicht deren Mengen oder die Farbe, die auf Ihrem Haar entsteht. „PPD-frei“ bedeutet nur, dass ein Stoff fehlt; das Produkt kann Toluene-2,5-Diamine oder andere Vorstufen enthalten. Begriffe wie „natürlich“ oder „sanft“ sagen nichts über das Allergiepotenzial.
Im Salon wird aus Profiprodukten gemischt, deren Verpackung Sie oft nicht sehen. Wenn Ihnen die Inhaltsstoffe wichtig sind, fragen Sie vor dem Termin nach dem Produktnamen oder der INCI-Liste.

