Ratgeber Inhaltsstoffe

Hyaluronsäure und Natriumhyaluronat: Molekulargewicht und INCI-Namen erklärt

Hyaluronic Acid, Sodium Hyaluronate, Hydrolyzed Hyaluronic Acid, Crosspolymere: So erscheint die Hyaluron-Familie in der INCI-Liste, das bedeutet das Molekulargewicht – und das verrät das Etikett nicht.

Aktualisiert: 31. Oktober 2026 · Geprüft von: Kamil Pyziak

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Was Hyaluronsäure ist

Hyaluronsäure ist ein langes, kettenförmiges Zuckermolekül (ein Polysaccharid), das natürlicherweise im Körper vorkommt – auch in der Haut, wo es Teil der Substanz zwischen den Zellen ist und Wasser bindet. Wegen dieser Fähigkeit gehört sie zu den bekanntesten Feuchthaltemitteln der Hautpflege.

Der kosmetische Rohstoff wird heute meist durch bakterielle Fermentation hergestellt und nicht aus tierischem Gewebe gewonnen. Im Produkt wirkt er vor allem an der Oberfläche und in den oberen Hautschichten: Er hilft der Haut, Wasser zu halten, und verleiht Seren ihr typisch glattes, leicht gleitendes Hautgefühl.

Säure oder Salz: so steht es in der INCI-Liste

Am häufigsten liest man nicht Hyaluronic Acid, sondern Sodium Hyaluronate, das Natriumsalz. In Wasser verhalten sich Säure und Salze sehr ähnlich; das Salz lässt sich in wässrigen Formeln einfach leichter verarbeiten. Deshalb steckt es oft auch dann im Produkt, wenn vorne „Hyaluronsäure“ draufsteht. Seltener ist Potassium Hyaluronate, das Kaliumsalz.

Weitere Familienmitglieder sind abgewandelte Formen. Hydrolyzed Hyaluronic Acid und Hydrolyzed Sodium Hyaluronate sind in kürzere Ketten gespalten. Sodium Acetylated Hyaluronate trägt Acetylgruppen, die es etwas fettfreundlicher machen. Sodium Hyaluronate Crosspolymer ist ein vernetztes Gerüst, das ein Gel bildet und eher auf der Hautoberfläche bleibt.

Warum das Molekulargewicht zählt

Hyaluronsäure gibt es nicht in einer einzigen Größe. Hinter demselben INCI-Namen Sodium Hyaluronate können Ketten sehr unterschiedlicher Länge stehen; man beschreibt sie über das Molekulargewicht in Dalton (Da) oder Kilodalton (kDa). Hochmolekulare Formen sind groß, bilden einen Film und wirken spürbar glättend. Niedermolekulare und hydrolysierte Formen sind kleiner und gelangen nach gängiger Beschreibung weiter in die oberen Schichten der Epidermis.

Die Forschung deutet zudem darauf hin, dass Bruchstücke unterschiedlicher Größe in der Haut unterschiedlich wirken können – ein Feld, das noch aktiv untersucht wird. Für Verbraucher ist die Schlussfolgerung einfacher: Die Größe beeinflusst Hautgefühl und Verbleib, aber größer oder kleiner ist nicht automatisch besser.

Seren mit „mehreren Molekülgrößen“

Viele Seren werben mit mehreren Molekulargewichten. In der INCI-Liste zeigt sich das meist als mehrere Einträge nebeneinander, etwa Sodium Hyaluronate, Hydrolyzed Sodium Hyaluronate und Sodium Hyaluronate Crosspolymer. Manchmal verbirgt sich aber hinter einem einzigen Eintrag eine fertige Mischung verschiedener Größen vom Rohstoffhersteller – die Zahl der Einträge entspricht also nicht immer der Werbeaussage.

Hyaluron-Inhaltsstoffe werden fast immer mit anderen Feuchthaltemitteln kombiniert, typischerweise Glycerin, Propanediol, Butylene Glycol, Betaine oder Sodium PCA. Diese übernehmen in höheren Konzentrationen einen großen Teil der Wasserbindung.

Wie viel steckt in der Flasche?

Hyaluron-Inhaltsstoffe wirken schon in kleinen Mengen und verdicken Wasser stark, deshalb werden sie sparsam eingesetzt. Eine große Zahl auf der Packung, etwa „2 % Hyaluronsäure“, kann sich auf eine fertige Lösung oder Mischung beziehen und nicht auf den Reinstoff – was genau gemeint ist, hängt von der Marke ab.

Hyaluronsäure steht im Ruf, der Haut bei sehr trockener Luft „Wasser zu entziehen“. Ob das praktisch eine Rolle spielt, ist umstritten. Formeln kombinieren Feuchthaltemittel ohnehin mit Emollients oder Okklusiva; spannt die Haut nach einem Serum, ist eine reichhaltigere Creme darüber eine einfache Lösung.

Kosmetisches Serum oder Filler?

Hyaluronsäure-Filler, die in ästhetischen Praxen injiziert werden, sind keine Kosmetika. Für sie gelten andere Vorschriften, und sie werden von qualifiziertem Fachpersonal angewendet. Ein Serum oder eine Creme mit Sodium Hyaluronate wirkt auf der Hautoberfläche und lässt sich mit einer Injektion nicht vergleichen.

Hyaluronsäure gilt in Kosmetika allgemein als gut verträglich. Reagiert die Haut auf ein Produkt, kann ein anderer Inhaltsstoff die Ursache sein, etwa ein Duftstoff oder Konservierungsmittel. Bleibt die Haut gereizt, helfen Apotheke oder Arztpraxis weiter.

Was das Etikett nicht verrät

Die INCI-Liste zeigt, welche Hyaluron-Formen enthalten sind – aber nicht deren Molekulargewicht, Herkunft oder Konzentration. Zwei Produkte, die beide nur Sodium Hyaluronate nennen, können ganz unterschiedliche Qualitäten desselben Stoffes enthalten.

Die Position in der Liste ist bestenfalls ein Hinweis: Hyaluron-Inhaltsstoffe liegen meist unter 1 %, und dort ist die Reihenfolge frei. Beurteilen Sie ein Produkt nach der gesamten Formel und der Reaktion Ihrer Haut, nicht nach einem einzelnen Star-Inhaltsstoff.

Quellen