Ratgeber Inhaltsstoffe

Komedogene Inhaltsstoffe: Was die Skala von 0 bis 5 wirklich bedeutet

Komedogenitätstabellen bewerten Öle und Ester von 0 bis 5 und werden im Netz eifrig geteilt. Woher die Zahlen stammen, warum sie sich oft widersprechen und weshalb eine einzelne Bewertung wenig über ein fertiges Produkt sagt.

Aktualisiert: 31. Oktober 2026 · Geprüft von: Kamil Pyziak

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Was „komedogen“ bedeutet

Ein Komedo ist ein verstopfter Haarfollikel – ein Mitesser, offen oder geschlossen. Als komedogen gilt ein Inhaltsstoff, wenn unter bestimmten Testbedingungen beobachtet wurde, dass er die Bildung von Komedonen fördert. „Nicht komedogen“ auf einem Produkt ist die Aussage, dass das fertige Produkt so formuliert – und idealerweise getestet – wurde, dass es die Poren nicht verstopft.

Menschen mit fettiger oder zu Unreinheiten neigender Haut gleichen INCI-Listen häufig mit Komedogenitätstabellen ab. Das ist verständlich, doch diese Tabellen sind weit weniger genau, als ihre sauberen Zahlen vermuten lassen.

Woher die Skalen stammen

Die meisten Tabellen im Netz gehen auf Studien aus den 1970er- und 1980er-Jahren zurück, die das Kaninchenohr-Modell nutzten: Ein Rohstoff wurde wiederholt auf die Innenseite eines Kaninchenohrs aufgetragen und die Veränderungen der Follikel bewertet, oft von 0 (keine) bis 5 (stark). Spätere Arbeiten nutzten teils Tests auf menschlicher Haut, etwa am oberen Rücken.

Das Kaninchenohr reagiert bekanntermaßen empfindlicher als menschliche Gesichtshaut und kann daher Stoffe markieren, die im Alltag keine Probleme machen. Viele Rohstoffe wurden unverdünnt oder in weit höheren Konzentrationen als in einer Creme getestet, und über das Verhalten in einer vollständigen Rezeptur sagte der Test nichts aus.

Warum sich die Tabellen widersprechen

Vergleicht man mehrere Tabellen, findet man denselben Stoff mal mit 1, mal mit 4 bewertet. Gründe sind unterschiedliche Testmethoden und Konzentrationen, unterschiedliche Rohstoffqualitäten und Lieferanten sowie das Abschreiben von Zahlen ohne Quellenangabe. Manche Werte für ganze Stoffgruppen wurden zudem hochgerechnet statt gemessen.

Auch die Namen stiften Verwirrung. „Kokosöl“ in einer Tabelle kann Cocos Nucifera Oil meinen, doch abgeleitete Stoffe wie Caprylic/Capric Triglyceride oder Coco-Caprylate/Caprate, die aus Kokos- oder Palmfettsäuren hergestellt werden, sind andere Substanzen mit anderen Eigenschaften. Die Bewertung des einen lässt sich nicht einfach auf die anderen übertragen.

Oft hoch bewertete Stoffe – und warum der Kontext zählt

Häufig mit höheren Werten genannt werden Isopropyl Myristate, Isopropyl Palmitate, Myristyl Myristate, Laureth-4, Cocos Nucifera Oil und Kakaobutter (Theobroma Cacao Seed Butter). Niedrig bewertet sind oft Squalane, Caprylic/Capric Triglyceride und in vielen Tabellen Paraffinum Liquidum – wobei die Quellen beim Mineralöl ebenfalls auseinandergehen.

Im fertigen Produkt spielen Konzentration, die übrigen Inhaltsstoffe, die Anwendung (abgespült oder auf der Haut verbleibend) und die individuelle Haut eine Rolle. Ein hoch bewerteter Stoff in geringer Menge in einem Reinigungsgel, das abgespült wird, ist etwas ganz anderes als derselbe Stoff als Hauptbestandteil eines Gesichtsöls.

Die INCI-Liste sinnvoll nutzen

Wenn Sie bemerken, dass bestimmte Produkte bei Ihnen wiederholt zu Unreinheiten führen, vergleichen Sie deren INCI-Listen und suchen Sie nach gemeinsamen Stoffen – vor allem unter den ersten etwa zehn, wo der Großteil der Rezeptur steckt. Ein solches persönliches Muster ist meist aussagekräftiger als jede allgemeine Tabelle.

Die Aussage „nicht komedogen“ muss nach EU-Recht wahr und belegt sein, doch das Etikett verrät nicht, wie und wie lange getestet wurde. Betrachten Sie sie als eine Information unter mehreren, nicht als Garantie.

Was das Etikett nicht verrät

Eine INCI-Liste kann nicht vorhersagen, ob ein Produkt bei Ihnen Unreinheiten auslöst. Sie zeigt weder Konzentrationen noch Rohstoffqualität oder Testergebnisse, und Komedogenitätswerte wurden nie für fertige Produkte entwickelt.

Unreinheiten haben viele Ursachen, darunter Hormone, Veranlagung, Medikamente und Hauterkrankungen wie Akne. Sind sie häufig, schmerzhaft oder hinterlassen sie Spuren, sprechen Sie mit der Apotheke oder einer Dermatologin bzw. einem Dermatologen, statt sich auf Tabellen zu verlassen.

Quellen