Pflanzenöle in Kosmetik: lateinische INCI-Namen lesen (Argan, Jojoba, Mandel, Sonnenblume und mehr)
Argan-, Jojoba- oder Sonnenblumenöl stehen selten unter ihrem Alltagsnamen in der INCI-Liste. Wie die lateinische Benennung funktioniert, ein Übersetzer für die häufigsten Öle und was das Fettsäureprofil verrät.
Aktualisiert: 31. Oktober 2026 · Geprüft von: Kamil Pyziak
Wie pflanzliche Inhaltsstoffe benannt werden
INCI-Namen pflanzlicher Inhaltsstoffe folgen einem einfachen Muster: lateinische Gattung und Art, dann der verwendete Pflanzenteil, dann die Art des Inhaltsstoffs. Arganöl wird zu Argania Spinosa Kernel Oil, Sonnenblumenöl zu Helianthus Annuus Seed Oil und Olivenöl zu Olea Europaea Fruit Oil, weil es aus der Frucht gepresst wird. Diese Schreibweise gilt in der ganzen EU, die Liste ist also überall lesbar.
Nicht jeder Name nennt den Pflanzenteil. Einige ältere, etablierte Namen lassen ihn weg, etwa Prunus Amygdalus Dulcis Oil (Süßmandel), Persea Gratissima Oil (Avocado) oder Cocos Nucifera Oil (Kokos). Entscheidend ist das letzte Wort: Oil ist das fette Öl, Extract ein Auszug mit einem Lösungsmittel wie Wasser, Glycerin oder Alkohol, Butter ein festes Fett und Unsaponifiables der Anteil eines Öls, der keine Fettsäuren enthält.
Übersetzer für häufige Öle
Argania Spinosa Kernel Oil – Argan. Simmondsia Chinensis Seed Oil – Jojoba. Prunus Amygdalus Dulcis Oil – Süßmandel. Prunus Armeniaca Kernel Oil – Aprikosenkern. Helianthus Annuus Seed Oil – Sonnenblume. Olea Europaea Fruit Oil – Olive. Vitis Vinifera Seed Oil – Traubenkern. Ricinus Communis Seed Oil – Rizinus. Persea Gratissima Oil – Avocado. Sesamum Indicum Seed Oil – Sesam. Linum Usitatissimum Seed Oil – Leinöl.
Hagebuttenöl kann je nach Art und Pflanzenteil als Rosa Canina Fruit Oil oder Rosa Rubiginosa Seed Oil erscheinen. Macadamia heißt Macadamia Integrifolia Seed Oil oder Macadamia Ternifolia Seed Oil, Nachtkerze Oenothera Biennis Oil. Wer ein paar Gattungsnamen kennt – Prunus, Rosa, Helianthus, Olea –, kann viele weitere ableiten.
Jojoba und Rizinus: zwei Sonderfälle
Die meisten Pflanzenöle sind Triglyceride – Glycerin, verbunden mit drei Fettsäuren. Jojoba ist eine Ausnahme: Chemisch ist es ein flüssiges Wachs aus Estern langkettiger Fettsäuren und Fettalkohole. Dadurch ist es sehr oxidationsstabil und fühlt sich leicht und nicht fettig an. Jojoba Esters dagegen sind Derivate des Jojobaöls, etwa als Emollients oder – in Perlenform – als Peelingkörper.
Rizinusöl, Ricinus Communis Seed Oil, wird von einer ungewöhnlichen Fettsäure dominiert, der Rizinolsäure; deshalb ist es dick und klebrig. In Lippenstiften und Lipgloss wird es für Glanz und Pigmentverteilung geschätzt. Hydrogenated Castor Oil ist ein hartes Wachs, PEG-40 Hydrogenated Castor Oil ein Lösungsvermittler – drei Stoffe aus derselben Pflanze mit ganz unterschiedlichen Aufgaben.
Was das Fettsäureprofil verrät
Pflanzenöle unterscheiden sich in ihren vorherrschenden Fettsäuren. Oliven-, Mandel- und Avocadoöl sind reich an Ölsäure, einer einfach ungesättigten Fettsäure, und wirken reichhaltiger. Normales Sonnenblumen-, Traubenkern- und Hagebuttenöl sind reich an Linolsäure, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure, und gelten oft als leichter. Hagebutte und Lein enthalten zudem Alpha-Linolensäure. Argan liegt dazwischen, mit nennenswerten Mengen an Öl- und Linolsäure.
Je mehr mehrfach ungesättigte Fettsäuren, desto schneller wird ein Öl meist ranzig. Darum stehen Öle wie Hagebutte oder Lein oft neben Tocopherol (Vitamin E) oder anderen Antioxidantien. Es gibt außerdem ein ölsäurereiches Sonnenblumenöl aus auf Stabilität gezüchteten Sorten; sein INCI-Name ist Helianthus Annuus Hybrid Oil.
Pflanzenöle vs. ätherische Öle
Fette Pflanzenöle und ätherische Öle sind völlig verschiedene Inhaltsstoffe. Ätherische Öle sind flüchtige, duftende Gemische, die meist durch Destillation oder – bei Zitrusschalen – durch Kaltpressung gewonnen werden. Ihre INCI-Namen beziehen sich oft auf Blatt, Blüte oder Schale, etwa Lavandula Angustifolia Oil oder Citrus Aurantium Dulcis Peel Oil, und sie können Duftstoffallergene enthalten, die ab bestimmten Gehalten deklariert werden müssen.
Ein fettes Öl wie Sonnenblumen- oder Arganöl ist kein Duftstoff. Enthält eine Liste beides, steht das fette Öl meist weiter oben, das ätherische Öl gegen Ende neben Allergenen wie Linalool oder Limonene. Ätherischen Ölen widmet sich ein eigener Ratgeber.
Was das Etikett nicht verrät
Der INCI-Name verrät nicht, ob ein Öl kaltgepresst oder raffiniert, nativ oder desodoriert, bio oder konventionell ist und woher es stammt. Zwei Produkte mit Argania Spinosa Kernel Oil können Argan in ganz unterschiedlicher Qualität und Menge enthalten.
Werbenamen wie „goldenes Arganelixier“ müssen nicht zur INCI-Liste passen; rechtlich maßgeblich ist die Liste. Nuss- und Samenöle können bei Lebensmittelallergien eine Rolle spielen, und Mandelöl stammt aus einer Baumnuss. Wer eine Allergie hat, sollte vor der Anwendung ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen.

